Neue Entwicklungen bei der Kindertagesstätte CISCA

Neues vom Projekt “Kinder in Quito”

In regelmäßigen Abständen berichten wir über unser Projekt “Kinder in Quito”, mit dem wir die Kindertagesstätte CISCA im armen Süden der Hauptstadt Ecuadors unterstützen. Vor wenigen Tagen erreichte uns eine Email von Schwester Herta Haug, der Coordinadora der Missionsdominikanerinnen in Quito.

Die Schwestern Übergaben inzwischen CISCA aus nachvollziehbaren Gründen ganz in die Hände des Staates Ecuador.

In ihrer Heimatpfarrei in Quito bauen sie jetzt eine neue Einrichtung zur Betreuung von Schulkindern und Senioren auf – eine sehr unterstützenswerte Einrichtung. Doch lesen Sie selbst!

Reinhold Schäfer


Email von Sr. Herta Haug, O.P., vom 2.11.2013

Quito, Allerheiligen 2013

Liebe Freunde, Wohltäter und Gläubige der Evangelischen Kirchengemeinde Mainz-Ebersheim,

Schwester Herta Haughier kommt wieder mal ein Gruß aus Ecuador. Ich hoffe es geht Ihnen allen gut.

Vor einiger Zeit hat mir Herr Dr. Reinhold Schäfer eine Spende von 120,-- € angekündigt, Erlös des 10jährigen Jubiläums des monatlichen Ökumenischen Taizé-Abendgebets. Aber was für eine Überraschung, vor einigen Tagen erreichte uns eine Überweisung von 520,-- €. Jesus vermehrte Brote, Sie die Euros! Ihnen allen wieder ein ganz herzliches Vergeltsgott! Es ist schön zu wissen, dass so viele Menschen hinter uns stehen.

Aber nun zu einer Neuigkeit: Dieses Jahr feierte ich meinen 75. Geburtstag und wenn man in diese Altersstufen rutscht, macht man sich Sorgen, wie es mit CISCA weitergehen soll. Im Osterbrief habe ich Ihnen schon mitgeteilt, dass wir mit dem Ministerium für Soziale Arbeit (MIES) Kontakt aufgenommen haben, um uns mit der Besoldung der Angestellten zu helfen. Alles kam dann sehr schnell; die Regierung war bereit, ab September die Löhne zu bezahlen. Aber bald mussten wir feststellen, dass der Staat nicht nur gibt, sondern auch fordert.

  • Das MIES, Sozialwesen, hat gleich eine neue Direktorin eingesetzt.
  • Was die Räumlichkeiten und Sicherheit (Feuerschutz usw.) betrifft, müssten wir ca. 50 000.- $ investieren.
  • Alle, die in so einer Institution arbeiten, müssen Abitur haben und sich an der Universität durch Fernstudium weiterschulen - nur samstags mit einer aktiven Teilnahme am Unterricht.
  • Nur Kleinkinder bis zu 4 Jahren dürfen in CISCA aufgenommen werden, denn 4jährige müssen ab diesem Schuljahr schon die Vorschule besuchen. Wir mussten in CISCA die Behindertengruppe aufgeben ebenso wie die Betreuung der Schulkinder.

Seit September bezahlt nun der Staat die Löhne. Wir mussten "Mütter" entlassen, die jahrelang sich für die Kinder eingesetzt hatten und all die Jahre durch die Stiftung SOS Kinderdorf Schulung erhielten. Neue Mitarbeiterinnen mussten eingestellt werden. Der Staat bezahlt einen guten Gehalt von Dollar 430.-, zuvor mit uns haben sie als Volunteers gearbeitet und erhielten die gleiche Entlohnung wie in den staatlichen Einrichtungen. Die staatliche Arbeitsweise und Ethik ist allerdings verschieden vonunseren christlichen Werten. Deshalb hat die "Fundación Buen Pastor" (Stiftung "Guter Hirte") unserer Pfarrei beschlossen, CISCA ganz dem Staat zu übergeben. Ob der Staat allerdings bereit ist, die ganze Verantwortung zu übernehmen, wissen wir immer noch nicht.

Schon vor 2 Jahren errichteten wir in der Pfarrei ein Zentrum für arme Schulkinder. 70 Schulkinder, die meisten von CISCA, erhalten ein warmes Mittagessen und Studienhilfe. Nun mussten wir das Zentrum vergrößern, um auch die 4jährigen aufzufangen. Zudem wollen wir mit Spenden eine Küche und Speisesaal einrichten, um vielen alten und notdürftigen Menschen ein warmes Mittagessen zu bereiten.

Vieles, was früher in CISCA war, vor allem Schulkinder und Senioren, hat sich nun auf die Pfarrei verlagert. Unsere „Stiftung Buen Pastor“ ist noch blutjung, aber wir sind hoffnungsvoll, dass sich unsere Pläne verwirklichen lassen und danken Ihnen allen ganz herzlich für jegliche Unterstützung.

Ihre dankbare,
Sr. Herta Haug O.P.

 

Email von Schwester Herta Haug, O.P., vom 28.12.2013

Lieber Herr Dr. Schäfer,

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Bei uns war es auch sehr feierlich. Meine ecuatorianischen Mitschwestern, Sandra und Marlene, haben wieder mit den Jugendlichen ein Weihnachtsspiel aufgeführt in den zwei Christmetten, war wirklich sehr beeindruckend.  Nächstes Jahr werden wir in der Pfarreikirche drei Messen feiern in der Hl. Nacht denn die Kirche war jedesmal so voll dass man nicht umfallen konnte. Leute bis zum Altar.  Zudem wurde in allen umliegenden Kapellen die zur Pfarrei gehören, auch die Christmette gefeiert.  Hier bringen die Leute ihr Jesuskind zur Messe und dies wird dann reichlich mit Weihwasser gesegnet.

Inzwischen haben wir von MIES, Sozialwesen, mündlich erfahren, dass sie CISCA ganz übernehmen. Bis alles auf Papier ist, wird es noch eine Weile dauern. Es ist für mich eine Erleichterung und trotzdem stimmt es mich ein wenig traurig, denn ich habe mich, wie Sie selbst sagen, all die Jahre sehr für CISCA eingesetzt.  Aber es ist wichtig loslassen zu können wenn der Augenblick kommt.  Wenigstens ist die Zukunft für CISCA gesichert.  Unsere Pfarrei könnte unmöglich für die monatlichen Ausgaben für CISCA aufkommen. Unsere zwei jungen Pfarrer können kaum überleben von den Einnahmen der Pfarrei.  Hier bekommen die Priester ja keinen Gehalt und auch keine Unterstützung vom Bischof.  Wer in einer armen Pfarrei lebt, muss schauen wie er durchkommt.  Pater Valentin, der erste brasilianische Herzjesumissionar unserer  Pfarrei "Guter Hirte", Gründer dieser Pfarrei vor 12 Jahren, sagte zum Bischof als der Süden aufgeteilt wurde in 6 neue Pfarreien - "ich möchte die ärmste Pfarrei übernehemen." Trotzdem ist es bewundernswert, wie schnell sich unser ganzes Gebiet entwickelt hat.  Als wir hier anfingen gab es nichts, das Abwasser in der Strasse, man sah kein Auto, denn die Strassen waren so schlecht dass man stecken blieb, und jetzt haben wir alles - Wassser, Licht, Telephon. e-mail, gepflasterte Strassen...  Die jetzige Regierung brachte wirklich einen Aufschwung und vieles wurde erreicht durch Gemeinschaftsarbeit der Bürger.

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Ich war bis zum 23. Dez. in Baños, um einen Workshop zu geben und am 26. hatte ich wieder ein Seminar. Aus diesem Grund kam ich nicht zum Schreiben.

Nochmals eine frohe Weihnachtszeit und vor allem Gesundheit und Wohergehen, sowie Gottes Segen in all Ihrem Tun und Wirken, fürs Jahr 2014.

Es grüsst Sie herzlichst,

Sr. Herta O.P.