Weihnachtsbrief 2010

Kinder in CISCA

Kinder in CISCA, Quito, Ecuador

Allmächtiger Gott,

dein ewiges Wort ist Fleisch geworden,

um uns mit dem Glanz deines Lichtes zu erfüllen.

Gib, dass in unseren Werken widerstrahlt,

was durch den Glauben in unserem Herzen  leuchtet.

(Tagesgebet der 2. Weihnachtsmesse)

Quito im Advent 2010     

Liebe Missionsfreunde,

„Er ist ein Kindlein worden klein der alle Welt erhält allein.“
 
So besingt ein altes Weihnachtslied die Geburt Jesu.  Der kurze Reim erinnert an die immer wieder berührende Erfahrung, wenn ein neues Menschenkind das Licht der Welt erblickt.  Weihnachten jedoch ist nicht bloss die Geburtstagsparty eines aussergewöhnlichen Menchen . Gott “der alle Welt erhält allein” erscheint nicht als Superman.   Ein Kind ist geradezu das Gegenbild dazu.  Kaum auf der Welt krempeln sie den gesamten Tages- und Nachtablauf der Eltern um, aber sie tun dies mit ihrer Hilfsbedürftigkeit und ihrem Charme. So wecken sie Gefühle der Zuneigung, Fürsorge und Verantwortung nicht nur wenn sie lächeln oder friedlich schlummern, sondern auch mit nassen Windeln oder 39 Grad Fieber.  Die Macht der Kinder gründet nicht in ihrer Grösse, sondern in ihrer Kleinheit, so wie es das Weihnachtslied auch im Blick auf Gott sagt: „Er ist ein Kindlein worden klein“.  Bei der Geburt des Jesuskindes verweist zwar auch die unendliche Weite des Sternenhimmels auf Gott, doch was die Welt im Innersten zusammenhält, gleicht vielmehr der Kraft, wie sie uns in der Gestalt eines Kindes entgegenkommt. Diese Macht lockt auch in jedem von uns nur die  besten Seiten hervor.

Gerne erzähle ich Ihnen ein wenig aus dem zu Ende gehenden Jahr 2010.  Für mich war es ein wirkliches „Jubeljahr“.  Ich durfte im Kreise meiner Mitschwestern, Freunde und Bekannten erst mein 50. Professjubiläum hier in Quito feiern und darnach noch mit Mitschwestern aus meinem Kurs in Südafrika.  Ich habe allen Grund Gott von ganzem Herzen zu danken für meine Berufung und die bewuste Erfahrung dass Gott glücklich macht!  Ein anderer Höhepunkt war der Besuch meiner Cousine Doris und ihr Gatte, die ich auf die berühmten Galapagosinseln begleiten durfte.  Wir fühlten uns ganz eng mit der Natur verbunden während wir seltene Vögel, Riesenschildkröten, Seelöwen, Eidechsen, ... aus nächster Nähe beobachteten.

Die letzten 6 Jahre im Leitungsteam der Kongregation pendelte ich oft zwischen den drei Kontinenten,  Südamerika, Afrika und Europa, hin und her.  Es war eine  bereichernde Aufgabe mit der ganzen Kongregation wieder vertraut zu werden, aber auch die Sorge um die Zukunft einer überalterten Kongregation, geht nicht spurlos an einem vorbei.   Im August  hatten wir unser Generalkapitel und das neue Team wurde gewählt.  Nun bin ich froh und dankbar, dass ich mich wieder, den Kräften einer Seniorin entsprechend, den Aufgaben hier in Ecuador widmen kann.  Ich erteile immer noch gerne Seminare oder Exerzitien, vor allem für Religiöse, und bin aktiv in der Pfarrei.  Vor allem die gut besuchte Bibelschule, die Laien nach einem zweijährigen Studium mit Diplom abschließen, und die auch Interessierte aus Nachbarspfarreien anzieht, gibt mir viel Ansporn und Energie.

Der geplante Putsch von Seiten der Polizei gegen unsere sozialistische Regierung von Staatspräsident Rafael Correa, scheiterte glücklicherweise.  Unsere indianischen Stämme gewinnen an Selbstbewusstsein und setzen sich gegen Öl-Konzerne und neue Handelsabkommen zur Wehr.  Die Shuar-Indios wehrten sich tagelang mit Straßensperren in einer Provinz am Rande des Amazonen-Beckens gegen ein neues Gesetz, das ihnen ein Mitspracherecht bei Ölbohrungen und Bergbauprojekten in ihrer Region verwehren will.  Unser Regierungschef empfing 130 Vertreter der Indio-Organisationen in seinem Präsidentenpalast und man einigte sich Arbeitsgruppen zu bilden, in denen es um die geplanten Bergbau- und Erdöl-Initiativen gehen soll.  Auch Wassergesetze und die zweisprachige Erziehung der Ureinwohnerkinder stehen auf dem Programm.

Ein herzliches Vergeltsgott Verwandte, Bekannte, Missionsfreunde, ... für Ihre treue Unterstützung.  Oftmals können wir einem Kranken mit Medizin oder Krankenhausaufenthalt, oder einer kinderreichen Familie zum Kauf des Schulmaterials und Einschreibung helfen.  Unser Hauptanliegen ist jedoch CISCA, unser Gemeinschaftszentrum „Sta. Catalina“.  All die Jahre half uns SOS Kinderdorf International mit der Beköstigung der Kleinkinder sowie die ca. 50 Schulkinder.  Wegen der finanziellen Krise können sie seit August nur noch die 120 Kleinkinder ganztags mit guter Nahrung versorgen.  Auch die ärztliche und soziale Betreuung muss nun von uns getragen werden.  Dass wir die Schulkinder von unserem Programm streichen mussten, war eine große Enttäuschung für viele arme Familien und alleinstehende Mütter. Auch hier wird der Lebensunterhalt immer teurer und die Ärmsten, deren Kinder wir betreuen, brauchen unser ermutigendes Zeichen der Hoffnung.

Trotz großem Polizeischutz nimmt die Kriminalität immer mehr zu.  Vor einigen Wochen ist es Dieben gelungen in die Sakristeimauer ein Loch zu schlagen und aus unserer Pfarrkirche die ganze Lautsprecheranlage, Gitarren und manches mehr zu rauben. Auch Busüberfälle und Entführungen werden immer häufiger.  11 Jahre halfen uns Deutsche Volunteers mit der Betreuung der Kinder.  Leider ist der Einsatz dieser hübschen, blonden Mädchen zu riskant geworden und wir mussten das MAZ Programm einstellen.

Sr. Herta Haug, O.P.Jedoch ist in diesem zu Ende gehenden Jahr viel Gutes geschehen – sichtbar in der aufopfernden Liebe unserer „Ersatzmütter“ und Schwester Miriam, die Leiterin von CISCA, sichtbar in unseren 9 Assoziierten die versuchen unsere dominikanische Spiritualität in ihrem Engagement zu verwirklichen, sichtbar in so vielen ehrenamtlich Engagierten in unserer Pfarrei die für eine lebendige Kirche vor Ort mitsorgen, sichtbar in Jugendlichen die unter größten Anstrengungen durch Nachtstudium sich eine bessere Zukunft erhoffen, sichtbar in den Kinderaugen die leuchten weil sie in CISCA Liebe und Zuneigung erhalten....

Unser Heiland  wurde als Kind geboren, sodass in unserem Wirken die wahre Kraft aufleuchtet.  Diese tiefe Kraft, innere Freude und Frieden wünsche ich Ihnen allen, verbunden mit herzlichen weihnachtlichen Dankesgrüßen.

Sr. Herta. Haug O.P.

 

Gemalte Weihnachtsgrüße der Kinder unserer Paten-Kindertagesstätte CISCA in Quito.