Weihnachtsbrief 2009

nullIm Stern von Bethlehem
hat Gott das Licht
der Hoffnung
für die Menschheit
angezündet.


       Irmgard Erath

 Quito, Advent 2009

Liebe Missionsfreunde,

Das erste Mal in meinem Leben durfte ich in SEDEBA  „Quelle“ 30 tägige Exerzitien machen, einer der Höhepunkte in meinem Leben. Aber ich kam schnell von meinen Thaborerlebnissen in die Wirklichkeit zurück. Am letzten Exerzitientag erlitt Pater Sepp Anthoffer, Österreicher, der diese wunderbare Oase erbaut hat und seitdem Menschen aus allen religösen Schichten begleiten durfte, einen Unfall und starb drei Tage später an den Folgen. Wie fragil ist doch unser Leben.

In Quito fand im August der Missionskongress des Lateinamerikanischen Bischofsrats statt. Eine Initiative zur Vertiefung und Erneuerung  des Christentums, eine Art zweite Mission. Zwei Jahre intensiver Vorbereitung gingen dem Kongress voraus.  Beim Abschlussgottesdienst nahmen 30.000  Menschen teil. Der Vorsitzende des Bischofrats, Raymundo Damasceno, aus dem Brasilianischen Marienwallfahrsort Aparecida, sagte: Wir brauchen eine pastorale Bekehrung... Sind unsere Pfarreien noch missionarische Gemeinschaften? Oder haben wir nur eine Pastoral der Besitzstandswahrung?“ Unsere Pfarrei war eine der aktivsten und hält auch jetzt noch die Begeisterung im Süden von Quito wach. Lateinamerika ist längst nicht mehr der katholische Kontinent, viele Katholiken wechseln zu freien religiösen Gruppierungen über. Neben den aggressiven Werbemethoden der neuen religiösen Gemeinschaften ist auch Enttäuschung der Menschen über fast fünfhundert Jahre sozialer und kultureller Stagnation im Zeitalter des Katholizismus ein Grund für den Religionswechsel. Vom neuen „protestantischen“ Element, das aus dem erfolgreichen Nordamerika kommt, verspricht man sich Modernität, Wandel, Reform.

Bei unserer Zusammenkunft in Schlehdorf, es war das Leitungsteam mit den Provinzoberinnen, waren wir uns sehr bewusst wie kritisch es um uns steht.   Mehrere alte Schwestern sind dieses Jahr gestorben, darunter dieses Jahr auch drei zwischen 55 und 65 Jahren, Nachwuchs gibt es fast keinen. Wir sind dabei Vorbereitungen  aufs Generalkapitel das  nächstes Jahr stattfinden soll, zu treffen und vertrauen auf Gottes Führung.

Auf politischer Ebene spitzt sich hier der Machtkampf zwischen der Rechten (17 einflussreiche Familiengruppen die das Land seit über 100 Jahren mitregiert haben und die Banken, Handelsunternehmen, die öffentlichen Medien, Fussball usw. besitzen und manipulieren) und der Linken (moderner Sozialismus)zu. Der Staat hatte kaum Bestimmungsrecht und wurde von dieser Gruppe, der Internationalen Weltbank und der USA beeinflusst. Das Ziel unseres Präsidenten Correa ist die Souverenität des Staates zu gewährleisten. Wer wird gewinnen?

Bei mir fehlt es auch nicht an Langeweile. Seit meiner Rückkehr aus Deutschland anfangs Oktober, nebst Kursen in der Pfarrei, pendelte ich zwischen Coca – Amazonengebiet, Esmeraldas – Küste, und Peru um Religiöse Workshops und Exerzitien zu geben. In der Kommunität gab es auch Wechsel. Sr. Verena ging für ein Jahr nach Südafrika um mit „Spred“ vertraut zu werden, Katechese für Behinderte. Sr. Gerlinde wechselte von Bolivien zu uns über.

Die Tage in der Heimat, habe ich voll genossen. Es scheint dass je älter, man umsomehr  die vertraute, herrliche Gegend, die  Kultur und unsere Bräuche, sowie  den Austausch mit der Familie, mit Freunden und Bekannten schätzt. Es ist  wohltuend zu wissen dass wir hier nicht alleine um eine menschenwürdigere Welt kämpfen, uns einsetzen für solche die vom neoliberalen Wirtschaftssystem ausgegrenzt sind, sondern dass viele in der Heimat  „Mit-uns-gehen und „Mit-uns-teilen“. Dank Ihrer treuen Unterstützung gedeihen unser Kinder in CISCA. Der laufende  Unterhalt von 122 Kleinkinder von 1 – 5 Jahre die ganztags dort betreut werden, 46 Schulkinder die  zum Mittagessen kommen und Studienhilfe erhalten, und die Gruppe geistig und körperlich behinderter  Jugendliche, erfordert beträchtliche Summen.  Ich möchte Ihnen allen ganz, ganz herzlich danken für soviel Anteilnahme und Hilfsbereitschaft.

So bleibt der Wunsch, dass das Geburtsfest Christi, Ihnen und uns allen tiefe Freude und Glauben schenke und den Frieden in uns und um uns stärke, den Gott uns durch die Menaschwerdung Christi bringen will. Gottes Sohn wurde Mensch, um uns das wahre Menschsein in Liebe und Hingabe zeigen zu können.

In Dankbarkeit grüsst Sie herzlichst,

Ihre Sr. Herta