"Meine Kinder in Quito" Bericht aus Quito ├╝ber die Arbeit als Missionarin auf Zeit

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Inzwischen lebe und arbeite ich schon 7 Monate in dieser riesigen, stinkenden, bunten und kontrastreichen Hauptstadt Ecuadors, die, rund 2.800m hoch in die Anden eingebettet ist. Die klappernden und stinkenden Busse, die "Emmenthalerstrassen" (Schlagloecher!) voller herrenloser Hunde, der Müll an jeder Ecke, die schreienden Verkäufer, aber auch diese einmalige Herzlichkeit der Menschen hier und besonders "meiner" Kinder gehören zu meinem Alltag im Süden Quitos.
 
Vormittags unterrichte ich (Englisch, Musik, Sport und Maschinenschreiben) in einer Grundschule im Nachbarort, die von 2 spanischen Pfarrern vor wenigen Jahren für die ärmsten Kinder gegründet worden ist. In der Schule "Inti" gibt es im Gegensatz zu allen anderen ecuadorianischen Schulen weder eine Uniform noch müssen die Eltern für den Schulbesuch ihrer Kinder bezahlen. Sie sind lediglich dazu verpflichtet, an den monatlichen Elternversammlungen teilzunehmen und bei der Reinigung der Schule mitzuhelfen.
 
Erschreckend ist, dass viele dieser Eltern selbst nicht lesen und schreiben können. Um so schöner ist es deshalb, zu sehen, dass ihren Kindern trotz Armut eine hoffnungsvollere Zukunft eröffnet wird. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie die Kinder Fortschritte machen, Spass am Lernen haben - und was mir vor allem auch in meinem kleinen Chor und der Flöten-AG auffällt - Liebe zur Musik, gemeinsamen Singen, Tanzen und Musizieren entwickeln.
 
Dank Frau Hau (Lehrerin der ¿Grundschule im Feldgarten¿, Mz.-Ebersheim) wurde es auch schon möglich, Brieffreundschaften zwischen Ebersheimer Kindern und Kindern aus meiner Schule in Ecuador zu knüpfen. In Planung ist auch der Briefaustausch einer 9. Klasse des Nieder-Olmer Gymnasiums, die als 3. Fremdsprache Spanisch lernt, und meiner 7. Klasse hier.
 
Zur Zeit stehen in der Schule "Inti" wieder die Neuanmeldungen für das nächste Schuljahr an, wobei es den Pfarrern immer wieder grosse Schwierigkeiten bereitet, aus den rund 150 Bewerbern ca. 50 auszuwählen. Oft gibt es große Armut, Alkoholismus, Selbstmorde und weitere soziale Probleme in den Familien und es tut weh, zu wissen, dass nicht allen, die es nötig hätten, geholfen werden kann. Leider sind die finanziellen Mittel hier ziemlich begrenzt, so dass klare Prioritäten gesetzt werden müssen.
 
Nachmittags arbeite ich 2-3 mal die Woche in der Kindertagesstätte in unserem Barrio (Viertel). Hier betreuen wir immer zu viert bis zu 30 Kinder zwischen 9 Monaten und 6 Jahren. Auch diese Kinder kommen aus sehr armen und problematischen Familienverhältnissen. Oft sind die Mütter alleinerziehend und sehr jung (teilweise sogar unter 20). Um wenigstens das Nötigste zu essen zu haben, müssen sie den ganzen Tag hart arbeiten; verkaufen Obst auf einem Markt oder waschen für reichere Leute (12 Stücke Wäsche für 1 US-$; das entspricht etwa einem Stundenlohn von 0,70 US-$).
 
Viele Kinder kommen deshalb sehr vernachlässigt, fehl- und unterernährt, krank, mit Parasiten und manchmal sogar misshandelt in die Kindertagesstätte. Durch viel Liebe, eine ausgewogene Ernährung (sie bekommen 3 Mahlzeiten am Tag) und die notwendige medizinische Versorgung, wurde so manchem Kind schon das Leben gerettet.
 
Da die meisten von ihnen fast 12 Stunden in der Kindertagesstätte sind, nehmen wir Betreuerinnen schon eine Art "Mutterfunktion" ein und dementsprechend wird man auch immer wieder sehr herzlich begrüßt.
Der Tagesablauf ist dem einer deutschen Kindertagesstätte sehr ähnlich, nur dass es viel weniger Spielsachen, Platz und Bastelmaterial gibt. Wir spielen und basteln mit den Kindern, tanzen zu ecuadorianischer Musik, wobei selbst die Allerkleinsten ein erstaunliches Rhythmusgefühl haben.
 
Besonders mögen sie es auch, wenn ich die Gitarre mitbringe und wir zusammen singen.
 
Die Guardarìa (span. Kindertagesstätte) befindet sich in den Gemeinderäumen, die am Wochenende von anderen Gruppen mitbenutzt werden. Daher müssen alle Spielsachen jeden Freitag verpackt und weggeschlossen und die Schränke umgedreht werden, was mit einem großen organisatorischen Aufwand verbunden ist.
 
Schon jetzt weiß ich, dass es mir sehr schwer fallen wird, von meinen lieben und herzlichen Kindern im August Abschied zu nehmen!
 
Ich hoffe, dass ich Ihnen durch diesen Artikel wieder einen kleinen Einblick in mein Leben hier in Ecuador geben konnte!
 
Mit vielen Grüßen und einem strahlenden Kinderlachen aus Ecuador,
 

Eure Gunhild Schäfer