"Ecuador, das Land der Vielfalt!" Bericht von Stephanie Struck, Missionarin auf Zeit in Quito

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Vier Jahre habe ich davon geträumt, nach dem Abitur ein Jahr in Lateinamerika zu verbringen. Und plötzlich setzt das Flugzeug zur Landung an und schon stehe ich mitten in Quito, der Hauptstadt von Ecuador. Mein erster Gedanke war erst mal: "Oje, wie soll ich mich hier je zurechtfinden?" auf der Autofahrt in mein zu Hause, wurde mir dann nach und nach bewusst, dass ich gerade dran bin, mir einen großen Traum zu erfüllen. und nach 7 Monaten Aufenthalt bringt mich dieser Gedanke immer noch ins Staunen.
 
Zu Beginn war es gar nicht so einfach für mich. erstens konnte ich noch kein Wort Spanisch sprechen und zweitens war es so ungewohnt nicht mal schnell meine Freunde anzurufen und mich mit ihnen zu treffen. Natürlich habe ich mich mit der Zeit daran gewöhnt, doch trotzdem genieße ich es in vollen Zügen, am Wochenende mit einer Freundin etwas verreisen zu können. Auch mit der Sprache ging es immer besser, weshalb ich mich mit der Zeit nicht mehr ganz so fremd gefühlt habe. Klar, ich wurde genau begutäugelt, wobei ich mich sehr komisch gefühlt habe, doch peu à peu war klar, wer ich bin und was ich hier mache, weshalb das auch nachließ. Auf Reisen ist dies aber leider immer noch der Fall, und ändern wird es sich wohl auch kaum. Als weiße Frau werde ich einfach sofort angesprochen und eine der ersten Fragen ist immer, ob ich verheiratet bin. Anfangs habe ich natürlich immer die Wahrheit gesagt, doch dann wurde ich nicht mehr in Ruhe gelassen. Manchmal haben mich die Männer dann auch am Arm gefasst oder Ähnliches. Aus diesem Grund trage ich auf Reisen nun immer einen Ehering. Somit werde ich nicht mehr so oft angesprochen und ich fühle mich sicherer.
Immer wieder ist es erschreckend für mich, wie sehr ich mich hier schützen muss, da man so schnell in eine brenzlige Situation kommen kann. Durch die Armut herrscht hier einfach eine starke Brutalität. Natürlich kann ich verstehen, dass für viele Menschen hier Weiss-sein gleich reich sein bedeutet und dass man bei Ihnen viel klauen kann. Doch es sind nicht mal die ganz armen die klauen, sondern irgendwelche gewitzte Kerle, die keine Lust zu arbeiten haben. Oft ist es mir auch schon passiert, dass ich in den Überlandbussen den doppelten Fahrpreis zahlen musste, da ich Ausländer bin. Natürlich erkläre ich dann, was ich hier mache, doch das ist denen egal. Wer das Flugticket zahlen kann, der kann auch den doppelten Preis zahlen.
 
Doch trotz dieser ganzen unangenehmen und beängstigenden Situationen muss ich sagen, dass die Menschen viel freundlicher und hilfsbereiter sind als in Deutschland. Jede Person die ich nach irgend etwas frage, versucht weiterzuhelfen. Ob die Antwort richtig ist, ist natürlich eine andere Sache, doch sie bemühen sich. So eine Hilfsbereitschaft wie hier, habe ich wirklich noch nirgends erlebt.
 
Was mich hier auch sehr in seinen Bann gezogen hat, sind die wunderschönen Kinderaugen. Klar, im Kindergarten kennen mich die Kinder, weshalb sie immer auf mich zugerannt kommen. Doch auch Kinder, in meinem Viertel, die ich nicht kenne, kommen auf der Straße auf mich zugerannt, umarmen mich und geben mir ein Küsschen. Auch an anderen Orten, z.B. der Arbeitsstelle einer Freundin, kommen die Kinder auf mich zugerannt und wollen mich gar nicht mehr los lassen. Das sind wirklich wunderbare Momente, die ich nie vergessen werde.
 
Leider sind jedoch nicht alle Momente so rosig wie die Umarmungen der Kinder oder die Gespräche mit den Anwohnern in meinem Viertel. Ab- und zu habe ich mich auch schon bei dem Gedanken erwischt, dass ich alles verfluche, da ich hier auch ganz schlimme Dinge erlebe - wie Mißhandlungen von Kindern. In Deutschland hat einfach alles und jeder seine Rechte, doch hier können wir nur mit den Lehrern reden und zuschauen. Das macht mich wirklich als sehr wütend.
 
Neben diesen wirklich schlimmen Dingen gibt es auch noch andere Erfahrungen, die zwar nicht ganz so schlimm sind, doch auf die ich gerne verzichtet hätte. Ich habe zum Beispiel ganz brave Untermieter, die ihr zu Hause nicht verlassen möchten. Diese Untermieter nennen sich Flöhe. Auf den Straßen strolchen Unmengen von Hunden rum, die die Flöhe regelrecht "verschenken". Klar, das ist kein Dauerzustand, doch bis ich alle Flöhe entfernt habe, haben sie ihr Markenzeichen schon hinterlassen, das sehr juckt. Doch zum Glück haben die keinen Pass um auszureisen, weshalb diese Plage nur auf begrenzte Zeit dauern wird.
 
Dieses Land ist aber trotz seiner Probleme, Schwierigkeiten und Armut einfach wunderschön. Auf kleinstem Raum gibt es hier Küste, Hochgebirge und Regenwald. und die Farben der Natur sind einfach atemberaubend. So viele unterschiedliche Grüntöne gibt es glaube ich sonst nirgends. Ich habe den Fotografien in den Reiseführern nie geglaubt, doch genau so sieht es hier aus - einfach umwerfend schön.
 
In diesem Sinne verabschiede ich mich und sende an alle viele, sonnige Grüße aus dem wunderschönen Ecuador.
 
 
Stephanie Struck