Weihnachtsbrief 2012 von Sr. Herta Haug, OP, aus Quito

Südamerikanische KrippeImmer wenn zwei Menschen
einander verzeihen, ist Weihnachten.
Immer wenn ihr anderen helft, ist Weihnachten.
Immer wenn ein Kind geboren wird, ist Weihnachten.
Immer wenn du versuchst, deinem Leben einen neuen
Inhalt zu geben, ist Weihnachten.

Denn es ist geboren die Liebe.
Denn es ist geboren die Freude.
Denn es ist geboren der Friede.
Denn es ist geboren die Gerechtigkeit.
Denn es ist geboren
Christus,  der Herr!

(Text aus Brasilien)

Quito, Ecuador, Advent 2012

Liebe Verwandte und Bekannte,

Advent und Weihnachten ist die Zeit, wo wir uns wieder auf den Weg machen, um das Licht zu suchen, das tief in unserer Seele, vielleicht unter vielen Traurigkeiten fast erloschen ist. Zeit, in der wir die Hoffnung ausgraben, die oft unter Ängsten verschüttet ist. Zeit, wo wir unsere Lebenskräfte freilassen, die vielleicht durch erlittene Schmerzen gefesselt sind. Zeit wo wir wieder heimfinden zu uns selbst! Nur so werden wir leuchten und hoffen und leben! Wir erfahren wieder – Gott ist mit uns, Emmanuel, unser König und Richter, Sehnsucht der Völker und ihr Erlöser. Wir dürfen mit Freude rufen: Komm und rette uns, Herr unser Gott! (O-Antiphonen)

Dieser Rundbrief ist wieder eine Brücke von Ecuador hin zu jedem und jeder von Ihnen. An der Schwelle des alten Jahres halten wir inne und lassen so manche Szene des Lebensfilmes noch einmal Revue passieren. Gleichzeitig halten wir Ausschau in die Zukunft und fassen gute Vorsätze. Ich darf am Ende dieses Jahres zurückschauen auf eine reiche, auch erlebnis- und arbeitsreiche Zeit.

Ein Höhepunkt war wieder der Heimaturlaub und die Begegnung mit Familie, Freunden und Bekannten. Ich durfte wieder viel Freundlichkeit, Annahme und Interesse erfahren, sowie geistliche und materielle Unterstützung. Eine ermutigende Erfahrung war auch eine Woche in München, Zeit der Begegnung, des Austauschens, Feierns und Dankens; denn die Diözese München-Feising feierte 50 Jahre gute Partnerschaft mit Ecuador. Vor 50 Jahren, beim 2. Vatikanischen Konzil in Rom, befreundete sich der damalige Kardinal Echevería aus Ecuador mit Kardinal Döpfner. Die gegenseitige, 50 jährige Bereicherung wurde dann im September auch in Ecuador würdig gefeiert.

Dankbar bin ich auch für soviel Unterstützung aus meinem Verwandten- und Bekanntenkreis. Obwohl unsere jetzige sozialdemokratische Regierung mehr für die Armen und Ausgegrenzten tut, als je eine Regierung zuvor, und unser querschnittgelähmter Vizepräsident für seinen Einsatz zum Wohl der Behinderten internationale Auszeichnungen erhielt, hat CISCA bisher noch nichts davon abbekommen. Früher haben die Leute ihre Angehörigen mit Behinderungen vielfach versteckt. Seit die Regierung eine Unterstützung bezahlt, werden sie sichtbar, und es ist erstaunlich, wie viele Menschen mit Behinderung es gibt. Wir sind dabei in der Pfarrei eine Stiftung „Guter Hirte“ zu gründen, welche auch das Projekt der 60 Schulkinder „Hogar Familia“ einschließt, in der Hoffnung, dass wir dann auch vom Staat und hiesigen Privatleuten Spenden erhalten können.

Dank der Unterstützung aus der Heimat, guter Zusammenarbeit mit SOS Kinderdorf, des unermüdlichen Einsatzes unseres Arbeitsteams, der guten Zusammenarbeit und Fortbildung der „Gruppenmütter“ sowie Eltern, hat CISCA von einer staatlichen, unangekündigten Inspektion, die höchste Anerkennung erhalten, was die Räumlichkeiten und Zuwendung betrifft, nur müssen wir mehr Personal anstellen.

Daher ist es mir ein grosses Anliegen, Ihnen wieder ganz herzlich „Vergelt´s Gott“ zu sagen, denn ohne Ihre großzügige Unterstützung könnten wir diese 123 mittellose Kleinkinder, sowie die Gruppe der Behinderten, nicht betreuen. Das meiste Geld erfordert der laufende Unterhalt. Unsere Option ist es, nur den ärmsten Kinder unseres Umkreises bessere Lebenschancen zu geben, solche die sich keinen Aufenthalt in einer gewöhnlichen Kindertagesstätte leisten können und daher sich selbst überlassen wären, während die Mutter Arbeit sucht. Viele Kinder kennen keinen Vater. Momentan spielt Stephan, ein Volunteer aus der Augsburger Diözese, eine wichtige Vaterrolle, wie Kletten hängen sich die Kleinen an ihn. Auch bedürftigen Schülern und Kranken können wir durch Ihre Spenden des öfteren helfen.

Neben der Pastoralarbeit – Bibelschule, Kommunionhelfer, Ehevorbereitungen und Hausbesuchen – gebe ich immer noch Exerzitien und workshops, hauptsächlich für Ordensleute. Da ich viel auf Achse bin, vom Urwald zur Küste und wieder zu den Andenprovinzen, kenne ich dieses vielseitige und wunderschöne Land sehr gut und kann es selbst kaum glauben, dass ich schon 18 Jahre im Süden dieser Metropole verbringe. Meine ecuatorianischen Mitschwestern sind auch voll ausgelastet, Marlene ist Konrektorin einer Fe & Alegría Schule mit über Tausend Kindern, Sandra ist Chefsekretärin der Vereinigung Ordensleute von Ecuador und Fani arbeitet als Physiotherapeutin. Übers Wochenende leiten sie Jugendgruppen, arbeiten in der Katechese und Erwachsenenbildung, geben Guitarreunterricht und sind für die musikalische Gestaltung der Liturgie verantwortlich.

Wir bilden eine offene Kommunität, 10 Assoziierte versammeln sich einmal im Monat um unsere Spiritualität zu vertiefen, einige Leute aus der Pfarrei beten mit uns die Vesper oder verbringen einen Einkehrtag, junge Frauen „schnuppern“ um eine eventuelle Berufung zum Ordensleben zu ergründen, Trostsuchende wollen begleitet werden. Schwester Veronika und Verena fühlen sich inzwischen in der Küste auch schon recht heimisch und sind voll im Einsatz.

Schwester Herta Haug, OPOskar Romero sagt uns: „Niemand kann Weihnachten feiern, ohne selbst arm zu sein. Die Selbstgefälligen, Stolzen, diejenigen, die alles haben und auf andere herabblicken, alle, die Gott nicht brauchen, sie werden Weihnchten nicht erleben. Nur die Armen, die Hungrigen, die jemanden brauchen, der für sie eintritt, werden es bekommen. Dies ist Gott, Emmanuel, der Gott-mit-uns. Ohne Armut kann Gott uns nicht füllen“Möge das bewusste arm-werden vor Gott Sie befähigen, Seine überreiche Fülle an Gnade, Freude, Friede, Liebe und Güte zu erfahren! Dies ist mein Weihnachtswunsch für Sie alle. In Dankbarkeit grüsst Sie,

Unterschrift von Sr. Herta Haug, OP