Ostern in Taizé - Eindrücke einer Permanente

20. Mai 2011

Grüsse aus Taizé!

Romanische Kirche in TaizéDer Frühling ist schon lange da. Er tut auch so, als wäre er ein Sommer! Es ist schon seit Wochen so ein Sonnenscheinwetter, teilweise 25 bis fast 30 Grad… Die Pflanzen entwickeln sich so schnell, dass man den Eindruck hat, zusehen zu können. Überall blüht es. Der Baum vor dem Empfangshäuschen CASA blühte in erstaunlichen Farben: erst pink, dann ging es in violett über und später dann lila… Es war unglaublich.

Wer die Postkarte aus der Exposition in Taizé kennt mit dem Welcome-Schild in mehreren Sprachen, der weiß welchen Baum ich meine. Diese Postkarte habe ich vorher noch nie gekauft, weil ich immer dachte, das sieht so künstlich aus… die Farbe kann ja nicht echt sein! Jetzt liebe ich diese Postkarte so sehr, weil ich den Baum persönlich kennengelernt habe! Man sollte nicht so schnell urteilen, wenn man jemand oder etwas noch nicht kennt….

Aber jetzt erzähle ich Euch von Ostern. War schon jemand von Euch mal an Ostern in Taizé?

Langer Anlauf vor Ostern - die Fastenzeit

Nicht zu vergessen ist hier natürlich auch der lange Anlauf - die Fastenzeit. In diesen sechs Wochen vor Ostern singen wir hier keines von den freudigen Taizé-Liedern, in denen Halleluja vorkommt. Auf diese Gebetsfreuden verzichten wir bewusst. Man fängt wirklich an, diese Lieder zu vermissen. Umso fantastischer ist es dann im Ostergottesdienst, wenn die volle Kirche dann zum ersten Mal wieder Jubellieder singt! Aber dazu später.

Für mich war die Karwoche so besonders, weil am Anfang der Woche langsam, gegen Ende der Woche explosionsartig, die Zahl der Gäste angestiegen ist bis rauf auf ca. 4.000 +/- 1.000 (Tausend mehr oder weniger, das ist ja dann auch wurscht…). Man kann nichts dagegen tun. Es passiert einfach.

Warten aufs EssenDas Anstrengende daran sind die langen, großen Welcome-Tage. Das waren Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostermontag. In so kurzer Zeit, so viele Menschen willkommenheißen… Oft ging der Welcome nach dem Abendgebet weiter bis elf / halb zwölf…

Das Schöne daran war diese knisternde Atmosphäre. Man kann es in den Gesichtern der Leute sehen, wie sie sich auf diese Zeit hier freuen. Strahlende Erwartung in den Augen und so viel Freude! Das war total schön zu sehen. Und nicht zu vergessen das Wetter! Fast nur Sonnenschein! Die Stimmung an den Empfangs-Tagen ist sehr schön. Überall stehen die Rucksäcke und Reisetaschen in der Sonne, Menschen warten irgendwo, es werden Taizé-Tee und Honigbrot oder Kekse ausgeteilt… 

Und was für mich das Besondere von Allem war: die langen Nächte. Schon am Gründonnerstag bin ich nach dem Welcome noch mal durch die Kirche gelaufen, kurz vor Mitternacht. Die Atmosphäre war unbeschreiblich! Es war alles so voller Spannung. Überall saßen noch Grüppchen von Leuten, die beteten und sangen. Ganz dezent und leise. Es war ein Wachen und Beten, ­wie die Jünger im Garten… Es war sooo stark!

Doch da ich vom Welcome-Tag total müde war und wusste, dass der nächste Tag genauso werden würde, entschied ich mich, schlafen zu gehen, obwohl sich alles nach bleiben, wachen und beten anfühlte.

Im Abendgebet hatten die Brüder sich übrigens gegenseitig die Füße gewaschen und auch den Kindern, die bei ihnen saßen. Ich saß direkt hintendran und konnte alles wunderbar beobachten. Das war total schön!

Ja, seit der Karwoche haben wir in der Kirche wieder die reservierte Sitzfläche direkt hinter den Brüdern für alle Permanents. Das war auch sehr nötig, da die Kirche wieder so voll war, dass Plätze nicht mehr so einfach zu finden waren. Vor allem wenn wir Permanents bis zum Glockenleuten arbeiten und dann ist es so gut, zu wissen, wo man noch sein Plätzchen finden kann!!

In der Ostermesse war sogar irgendwann die Kirche aus Sicherheitsgründen für Spätkommer geschlossen… Es gab in einem der großen Zelte vor der Kirche eine akustische Übertragung für all die, die keinen Platz mehr in der Kirche gefunden hatten.

Die Karwoche - Hektik und Einkehr zugleich

Am Karfreitag läuteten um 15 Uhr nachmittags ein paar Minuten lang die Glocken. In dieser Zeit hielten alle Leute, egal wo sie waren inne und dachten an Jesus, der nun am Kreuz gestorben war. Das war schön, wie das ganze Treiben für einen Moment aufhörte…

Freitag ist ja auch immer das Gebet ums Kreuz. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie viele Menschen am Karfreitag zum Kreuz gehen? Ich glaube, für viele ist das noch mal ein ganz besonderer Freitag und Anlass am Kreuz zu beten. Es waren sooo viele. Es war, als ob sich die ganze Kirche in die Schlangen einreihte, die sich langsam und geduldig bis zum Kreuz bewegten… Die Menschen standen zeitweise über 2 Stunden an, um ihre Lasten, ihre Sorgen, ihre Ängste aufs Kreuz zu legen. Noch um 4 Uhr morgens beteten die Menschen am Kreuz…

Einige von Euch kennen sicher die schönen Osternächte am Samstag vor Ostern mit Kerzen und nach der ersten halben Stunde Glockenläuten und Halleluja und Freude und Auferstehung und dann ist Ostern. Einige von Euch kennen die Samstagabendgebete in Taizé oder auch die Nacht der Lichter an anderen Orten. Das ganze Jahr über feiert man in Taizé am Samstag Abend die Auferstehung mit dem Osterlicht. Doch NiCHT in der Osternacht!!

Das kann man wirklich als sehr eigenartig und seltsam empfinden und nicht mögen. So ähnlich waren meine Gefühle im letzten Jahr, als ich mein erstes Taizé-Ostern erlebte und nach dem Samstagabendgebet irgendwie enttäuscht war und mit einem seltsamen Gefühl aus der Kirche raus gegangen bin und mich nicht nach Ostern gefühlt habe. Irgendwie war noch nicht Ostern.

Dieses Jahr wusste ich vorher, was auf mich zukommt. Ich wusste, dass es keine Kerzen geben wird und kein Halleluja… Es war eine weitere Nacht des Wachens und Betens. Dieses Jahr war es für mich eine weitere wundervolle Nacht. 

Ostern - Lumen Christi, Deo gratias

Und dann kam der Ostersonntag: Um 10 Uhr, zur ganz normalen Sonntagsmessenzeit, nicht etwa morgens früh um 5/6 oder so was…, fand der Ostergottesdienst statt. Und dieser Gottesdienst am Ostersonntag übertrifft dann alles. Natürlich spielt da vieles mit rein… die ganze Fastenzeit ohne Halleluja, die ganze anstrengende Karwoche, der wenige Schlaf, die vielen Menschen… dann das "Lumen Christi … Deo Gratias", was mich an die Osternacht zu Hause erinnert… Und dann ist es einfach überwältigend, wenn das Gloria und Jubilate wieder erklingt … „Surrexit Christus Halleluja! … Cantate Domino Halleluja!“ Und die Osterkerze wird entzündet und durch die ganze Kirche getragen. Die Kinder und Brüder hinterher und jeder hat nun endlich seine kleine Kerze mit dem Osterlicht  

Da steckt so viel Freude drin! Und dann am Ende die Ostergrüße in allen Sprachen, die anwesend sind… naja so ähnlich, wie es der Papst macht. In Deutsch: „Christus ist auferstanden“ und alle Deutschen antworten darauf „Christus ist wahrhaft auferstanden!“ und so geht es in jeder Sprache… und je nachdem wie viele von dem Land anwesend sind und je nach dem wie emotional die Kultur ist… kann das wirklich sehr laut durch die Kirche hallen!! Das ist eine sehr lustige Sache!! … und am Ende fließen auch einige Tränchen, zum Beispiel von übermüdeten Permanents, die nun von der großen Osterfreude total überwältigt sind…  

Mancher von Euch weiß sicher schon, dass in diesem Jahr an Ostern der Prior von Taizé, Fr. Alois, gar nicht anwesend war. Es war nicht er, der die Ostergrüße gesprochen hat und es gab auch dieses Jahr kein Lebensengagement von einem jungen Bruder an Ostern, wie das im letzten Jahr der Fall war. Nein. Fr. Alois war wo anders!! Das ist eine große, große Sache! Taizé ist ja eine ökumenische Gemeinschaft. Ursprünglich waren die Brüder, wie auch Fr. Roger, der Gründer, alle protestantisch. Irgendwann war es soweit, dass auch katholische Brüder aufgenommen werden konnten und da es dann notwendig war, wurden ein paar Brüder auch Priester. Doch es gibt noch keine orthodoxen Brüder. Da gibt es, wenn ich das richtig verstehe, wohl noch zu viele Schwierigkeiten im Verständnis der Eucharistie. Diese Hürde haben die jetzigen evangelischen und katholischen Brüder schon überwunden: Sie feiern jeden Sonntag gemeinsam die Messe!

Doch Taizé ist auf dem Weg. Taizé versteht die Gemeinschaft aller Christen als eine Familie und es ist traurig, wenn man in einer Familie, nicht zusammen feiern kann. Natürlich sind wir alle verschieden, und das ist auch gut so. Nichts soll zu einem Einheitsbrei verschwimmen, niemand soll verbogen werden. Wichtig ist, sich nicht so sehr, über die Unterschiede zu ärgern, sondern den anderen zu respektieren und immer den Blick auf die Gemeinsamkeiten zu legen.

Jedenfalls hat die orthodoxe Kirche dieses Jahr an Ostern zum ersten Mal in der Geschichte ihre Türen für Gäste anderer Konfessionen geöffnet!! Taizé war eingeladen, Ostern in Moskau zu feiern. Daher ist Fr. Alois mit einigen anderen Brüdern und 240 jungen Taizé-Freunden über die Kar- und Ostertage nach Moskau gefahren.

Zum Schluss noch ein letztes Wort aus Taizé:

Malven auf dem Platz vor der KircheVon den 5.000 ist im Moment nichts mehr zu spüren. Diese Woche waren es 150 Jugendliche und ebenso viele Erwachsene! Die Ruhe ist nach Ostern wieder für eine kurze Zeit zurückgekommen. Es ist eine Verschnaufpause bevor der Sommer beginnt…

Herzliche Grüße
B.T., Permanente in Taizé

 

 

Fotos: (C) R. Schäfer, G. Schäfer (2)